"Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt; man fühlt es auf tausenderlei Weise."
(Blaise Pascal)
Ich bin eine „Herzen-Sammlerin“. Wenn ich am Strand spazieren gehe, halte ich Ausschau nach Steinen in Herzform. Mittlerweile habe ich eine schöne Auswahl an gesammelten, gekauften und geschenkten Herzen. Sie dekorieren mein Zuhause und meine Praxis.
Eine junge Frau, die mich in meiner Praxis besuchte, nimmt eins dieser Herzen in die Hand.
Es ist aus schroffem Stein, groß und sehr schwer. Sie sagt: „Mein Herz ist so wie dieser Stein. So schwer und hart wie dieses Steinherz, damit ich all das tragen und ertragen kann, was ich erlebt habe.“
Sie hat ein Bild dafür gefunden, wie es in ihr aussieht.
Auch in meinen Trauerzeiten hat das Herz sehr oft so ausgesehen. Schwer und erschöpft, voller Sehnsucht nach dem Menschen, den ich verabschieden musste. Voller Sehnsucht auch nach Ruhe und Frieden in mir.
Einen Moment Innehalten. Ohne Wertung wahrnehmen, was da ist und achtsam auf das Herz hören.
Da ist viel Schmerz. Es ist traurig, einsam, verloren, sorgenvoll, verletzt. Vielleicht aber auch wütend oder voller Scham und Schuldgefühle.
Diese Gefühle wertfrei da sein lassen. Sie nicht verleugnen, weil das noch viel mehr Lebenskraft raubt. Sie annehmen, auch wenn es schwerfällt. Ihnen einen Ausdruck geben, einen Rahmen, einen Raum. Das hilft, um nicht von ihnen überwältigt zu werden und die Gefühle einzuordnen.
Achtsam und respektvoll mit mir umgehen. Mit mir selbst wieder im Kontakt sein, mich selber wertschätzen. Fürsorglich mit mir umgehen.
Wieder neu lernen, den Körper zu spüren. Ihn mit Nahrung versorgen. Wieder essen und trinken. Bewusst atmen, bis tief in den Bauch hinein und den Körper mit Sauerstoff und neue Energie versorgen.
In der Trauer ist jede Faser meines Körpers mit „Überleben“ beschäftigt. Ein Tag nach dem anderen. Es ist ermüdend. Die Ereignisse haben sich überschlagen, vieles musste erledigt werden.
Jetzt bewusst eine Pause einlegen, einmal wieder langsame Schritte gehen und mich ausruhen, zur Ruhe kommen, in mich hineinhören. Was beinahe unmöglich erscheint, aber meine Seele sehnt sich danach.
Was kann ich im Hier und Jetzt spüren? Welcher Gedanke kommt mir gerade in den Sinn? Alles darf sein, egal was mein Umfeld erwartet oder sich wünscht. Jetzt geht es um mein Herz und alles was darin ist.
Die junge Frau und ich unterhalten uns über verschiedene Herzenszustände. Was in ihrem Herz ist, was die Schwere bedeutet. Was sie braucht und sich wünscht. Schließlich nimmt sie ein anderes Herz in die Hand. Es ist aus Glas. Sie sagt mit einem Lächeln: „Das ist mein Lieblingsherz. Ich wünsche mir wieder so leicht und durchlässig zu werden wie dieses Herz.“